23. März 2020, Pfr. Peter Schafflützel

Angst vor dem Ersticken

"Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich habe Angst vor dem Ersticken", ist die Quintessenz der Bedenken einer gläubigen achtzigjährigen Frau wegen des neuen Coronavirus. Sie hört die Berichte aus Italien über deren Mangel an Betten auf Intensivstationen. Sie sieht die Bemühungen des Bundesrats, mit einer Abflachung der Ansteckungskurve zu verhindern, dass Lungenkranke nicht mehr beatmet werden können. Als ehemalige Krankenschwester hat sie eine Vorstellung davon, wie qualvoll der Erstickungstod sein kann. Die Möglichkeit, selber so sterben zu müssen, macht ihr Angst.

Tod durch Ersticken. Ausgerechnet die Todesart, die Gott für sich selber ausgewählt hat. Menschen erfanden das Hinrichten am Kreuz, weil es kaum etwas Grausameres gibt, als ganz langsam zu ersticken. Ersticken am Kreuz kann Tage dauern. Bei Jesus, der bereits vorher brutal misshandelt worden war, dauerte es mehrere Stunden. Gefoltert, verlassen und ausgestossen, verspottet, Hände und Füsse von Nägeln durchbohrt, an denen sein eigenes Gewicht zerrte, durstig und mit grässlichen Schmerzen, erstickte er langsam am Kreuz.

Warum tat Gott sich das an? Warum wurde er Mensch? Warum verzichtete er auf seine Macht? Warum starb er auf die ohmächtigste, grausamste Weise? Jahrhunderte vorher wurde sein Tod prophezeit mit den Worten:

Er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. (Jesaja 53,4)

Wir haben ein Virus - ein Virus, das uns den Tod bringt. Beim ersten Menschen begann die Infizierung mit dem Misstrauen gegen Gott: "Hat Gott etwa gesagt, dass ihr keine Früchte von den Bäumen des Gartens essen dürft?" (Genesis 3,1) Meint Gott es wirklich gut mit mir? Hat er die Macht, für mich zu sorgen? Gibt es ihn überhaupt? Seit es Menschen gibt, beeinflusst dieses Virus unsere Gedanken, Gefühle und unser Verhalten. Es bewirkt Angst, Zorn, Gier, Verzweiflung, Egoismus, Intoleranz, Verwirrung und Manipulation. Wir würden daran ersticken, wenn nicht Christus den Erstickungstod für uns auf sich genommen hätte.

Kann ich darauf vertrauen, dass ich auch im Ersticken nicht allein sein werde? Dass Christus mit mir zusammen erstickt? Dass ich das nicht aus meiner eigenen Kraft durchstehen muss? Dass gerade auch dann seine Kraft in mir mächtig sein wird? Paulus schrieb, als er im Gefängnis sass und auf seine mögliche Hinrichtung wartete:

Mein Wunsch ist es, Christus zu erkennen und die mächtige Kraft, die ihn von den Toten auferweckte, am eigenen Leib zu erfahren. Ich möchte lernen, was es heißt, mit ihm zu leiden, indem ich an seinem Tod teilhabe, damit auch ich eines Tages von den Toten auferweckt werde! (Philipper 3,10-11)

Wer mit Christus erstickt, wir auch mit ihm von den Toten auferweckt werden. Gott wird dir seinen eigenen Atem einhauchen. Sein Geist wird dich aufatmen lassen, und du wirst das Fest des ewigen Lebens mit Christus feiern - gemeinsam mit allen andern, die ihm vertrauen.